Haus- und Zahnärzte im Landkreis Forchheim intensivieren Kooperation

Beim Dialogforum „Humanmedizin trifft Zahnmedizin“ der Gesundheitsregionplus des Landkreises Forchheim diskutierten Haus- und Zahnärzte über eine intensivere Kooperation.

Diese nützt Diabetespatienten sofort, weil ein gesundes Gebiss den Diabetes verbessert und umgekehrt. Bei fast 12.000 Diabetespatienten im Landkreis wird dies umso wichtiger. Frau Dr. Elisabeth Dewald, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin am Klinikum Forchheim Fränkische Schweiz, zollte den Zahnärzten Respekt, weil diese bereits 2011 die positiven Auswirkungen einer guten Mundgesundheit auf die Prophylaxe und Verbesserung verschiedener Erkrankungen, unter anderem des Diabetes mellitus 2, beschrieben. Sie vermittelte praktische Tipps für Diabetes-Notfälle in der Zahnarztpraxis, so z.B. das Erkennen und Behandeln von Unterzuckerungen. „Stellen Sie sich kleine Packungen mit Apfelsaft in die Praxis. Wenn der Patient noch in der Lage ist, zu trinken, heben sie damit den Blutzucker bereits wirksam an und wirken der Hypoglykämie entgegen“.

Für die Hausärzte stellte Frau Dr. Dewald die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Zur sog. „ Abnehmspritze“, die ursprünglich rein zur Behandlung eines Diabetes mellitus 2 entwickelt wurde und deren Anwendung derzeit in aller Munde ist, gab sie zu bedenken, dass richtige Langzeitdaten zu dieser Wirkstoffgruppe fehlen. Neben all den positiven Wirkeffekten dieser Medikamente sind jedoch auch die Nachteile zu bedenken. Die Gewichtsabnahme führt neben einem Abbau der Fettmasse meist auch zu einem Verlust von Muskelmasse. Setzt man das Medikament ab, steigt das Körpergewicht in den allermeisten Fällen wieder an, insbesondere der Körperfettanteil. Die verlorene Muskelmasse kommt jedoch schwer zurück. Auch die Kosten für den Einsatz dieser Wirkstoffe in der reinen Adipositastherapie sind noch sehr hoch.

Frau Professor Kerstin Galler, seit 2021 neue Klinikdirektorin an der Zahnklinik 1 der Uniklinik Erlangen mit speziellem Forschungsinteresse an der Regeneration von Zahngeweben, fasste die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnis zur Mundgesundheit bei Diabetespatienten im Besonderen zusammen. Und sie hob die Verbesserung der Gesundheit durch die regelmäßige Paradontitis-Kontrolle beim Zahnarzt hervor. Damit werden Risiken für Zahnverlust sofort erkannt. Bei ca. 16.800 BürgerInnen mit schwerer Parodontitis im Landkreis kann vermutet werden, dass einige eine noch nicht erkannte Vorstufe eines Diabetes aufweisen.

Diabetespatienten haben ein 2-3-fach erhöhtes Risiko eine Paradontitis zu entwickeln, diese fällt wegen des Diabetes schwerer aus und ein Zahnverlust kommt schneller. Parodontitis ist gekennzeichnet durch eine fortschreitende Destruktion des Zahnhalteapparats mit Abbau von Knochen und Haltefasern, Vertiefung der Zahnfleischtaschen, Blutung auf Sondierung und einem dysbiotischen Biofilm auf den subgingivalen Wurzeloberflächen.

Weil Bürgerinnen und Bürger die Mundgesundheit regelmäßig überprüfen lassen, haben Zahnärzte die Chance einen sich entwickelnden Diabetes frühzeitig zu erkennen und den Hausarzt darüber zu informieren. Eine intensive Paradontitis-Behandlung bei Diabetikern verbessert nicht nur den den Zahnhalteapparat, sondern auch den Diabetes als solchen, der HbA1c-Wert (Langzeitblutzucker) sinkt laut Studien um bis zu 0,6 Prozentpunkte.

Die wissenschaftlichen Grundlagen zur Zusammenarbeit finden sich in der S2k-Leitlinie „Diabetes und Parodontitis“.

Forchheim, 03.12.2025
Pressestelle

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Referenten und die Obfrauen des Zahnärztlichen Bezirksverbandes Oberfranken« (v. l. n. r.: Frau Dr. Katja Ertel, Frau Prof. Dr. Kerstin Galler, Frau PD Dr. Julia Lubauer, Frau Dr. Elisabeth Dewald, Frau Maria Schrüfer)
03.12.2025 
Quelle: Gesundheitsregion plus